Bildung ist ein wertvolles Gut (Newsletter Christa Meves 1-2021)


Die Corona-Pandemie wird heutigen Schülern vermutlich noch lange in Erinnerung bleiben, denn geschlossene Schulen vermitteln weniger Bildung, zu Hause entsteht oft mehr Langeweile durch Strukturverlust. Bildung eröffnet auch Wissen und Handlungskompetenzen, die eine gesündere Lebensweise unterstützen, wie es z. B. im Landesprogramm „Bildung und Gesundheit“ in NRW gefördert wird. Weniger Bildung bewirkt Defizite ebenso im psychosozialen und motorischen Bereich wie auch weniger Einkommen im späteren Leben.

Arglos scheinen manche Schüler aber nicht so weit vorauszudenken, wenn sie bei Schulausfällen bis zehn Uhr im Bett bleiben und den anschließenden Rest des Tages nicht nutzen, um Lernstoff zu wiederholen, Lücken auszumerzen und Neues zu erarbeiten, sondern mit Spielekonsolen und Computerspielen „abtauchen“, wenn sie nicht in die Schule müssen. In der Kinderklinik Dortmund z.B. wurden Kinder behandelt, die kollabiert seien, weil sie nächtelang am Computer gespielt hätten.

Kinder brauchen Struktur
, besonders in Coronazeiten: einen klaren Tagesablauf mit morgendlichen Aufstehzeiten wie im normalen Schulbetrieb, festgelegte Lernzeiten mit überprüften Lernerfolgen, aber auch gemeinsame Zeiten für Spiele, sportlich-körperliche Betätigungen, Gespräche und andere Bildungsanreize. Schulen vermitteln Selbstständigkeit, Kritikfähigkeit, Werte- und Verantwortungsbewusstsein auch durch die Struktur ihres geregelten Ablaufs.

Homeoffice und Kinder zu Hause gleichzeitig zu managen, ist fraglos eine täglich herausfordernde Herkulesaufgabe. Computerspiele aber sind kein Lernersatz und verbessern nicht die Aufmerksamkeit, vielmehr trainieren sich Schüler damit eine Aufmerksamkeitsstörung an, warnt der Psychiater Prof. Spitzer.

Viel hängt davon ab, in welchem Umfang Eltern auch unter den Corona-Erschwernissen mit Zeit und Geduld die Lernmotivation ihrer Kinder steigern und ablenkende Tätigkeiten bei ihnen reduzieren können. Dadurch verringern sich negative Folgen von Unterrichtsausfällen und Schulschließungen. Das sonst entstehende Bildungsdefizit der Schüler wird andernfalls evtl. dazu führen, dass sie im späteren Leben ihre Möglichkeiten nicht werden ausschöpfen können.
Es besteht ein starker Zusammenhang von Bildungsjahren und Einkommen, weiß der Hamburger Bildungsforscher Prof. Wößmann. Wer mehr lernt, wird in der Regel seltener arbeitslos und erzielt nicht selten ein höheres Einkommen. Falle ein Drittel des Schuljahres aus, so Prof. Wößmann, verlieren die Schüler im Laufe des Lebens vermutlich etwa drei Prozent ihres sonst möglichen Einkommens.

Der aber wichtigere Faktor zum Wohlfühlen und Glücklichsein ist das Gefühl, durch Eigenaktivität selbstständig das eigene Leben gestalten zu können, hat der Psychologe Prof. Killingworth von der University of California erforscht. Die Erfahrung, durch eigene Anstrengung etwas erreichen zu können, stärkt das Selbstvertrauen. Das erfordert, sich nicht ablenken zu lassen, nicht abzuschweifen, sondern sich den aktuellen Erfordernissen zu widmen und diese zu erledigen. Also nicht, Dinge vor sich herzuschieben. „Der Mann, der den Berg abtrug, war derselbe, der anfing, kleine Steine wegzutragen“, vermittelte schon der chinesische Philosoph Konfuzius.

Bei einem Drittel aller Schüler rechnet der Bildungswissenschaftler Prof. Hurrelmann damit, dass die Corona-Pandemie zu Bildungsrückständen führen wird.
Grund genug
also, die die Kinderzimmer flutenden süchtigmachenden Handyspiele zugunsten produktiverer Tagesgestaltungen einzudämmen. „Es gibt keinen Beleg dafür, dass digitale (Spiele-)Medien fürs Lernen förderlich sind“, schreibt der Smartphoneforscher Prof. Spitzer. Bereits eine Stunde tägliches Computerspielen führt zu einer Abnahme des Hirnvolumens.

Schulen geben sich viel Mühe, mit Fern- und Wechselunterricht im Lernpensum Schritt zu halten. Aber die Schule kann nicht alles leisten. Nur wenn die Kinder mitmachen und Eltern ihre Kinder unterstützend mit am Ball bleiben, wird vieles aufholbar sein und es müssen keine Lernlücken entstehen: Vier Stunden konzentriertes Arbeiten zu Hause kann sogar zu mehr Lernerfolg führen, als wenn Schüler sechs Stunden in der Schule sitzen, weiß der Wiener Bildungsforscher Prof. Wenzel. So können sich auch im Homeschooling Schüler zu selbstständigen, problemlösungsfähigen und lebenstüchtigen Persönlichkeiten entwickeln.

Allerdings verbringen Schüler während des Lockdowns in der Regel nur halb so viel Zeit mit schulischen Aktivitäten wie zu normalen Unterrichtszeiten: Nur 3 ½ Stunden am Tag widmen sie schulischen Tätigkeiten, im Gegensatz zu etwa sieben Stunden im normalen Unterrichtsbetrieb. Wofür die Zeit stattdessen verschwendet wird, zeigt der Boom bei Computerspielen und Fernsehen:

Während der Corona-Krise stiegen die Social-Media-Zeiten der Kinder und Jugendlichen sogar werktags um 66 % an – auf mehr als drei Stunden am Tag. Die also ansonsten mit schulischen Inhalten gefüllte Zeit wird jetzt verspielt.
„Die Nutzungszeiten der Kinder und Jugendlichen haben die größte Vorhersagekraft für ein problematisches und pathologisches Verhalten“, mahnt der Ärztliche Leiter am Deutschen Zentrum für Suchtfragen Prof. Thomasius.

Fast 700.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland sind internetabhängig. Im Vergleich zu 2012 ist das eine Steigerung um 180%!
Dabei werden Gaming und soziale Medien vor allem genutzt, um Langeweile zu bekämpfen. Rund ein Drittel der Jungen und Mädchen will online der Realität entfliehen. Diese wird sie aber später bitter einholen, so ist zu befürchten, wenn sie beruflich das Nachsehen haben und nicht die Qualifikationen ausbilden, die möglich gewesen wären. 

50 % der Eltern geben an, dass es in ihrer Familie keine zeitlichen Regeln für die Mediennutzung gibt. Meinen wir, unsere Verantwortung an unsere noch nicht flügge seienden Kinder abtreten zu können?

Um wieder mehr Präsenzunterricht in Schulen zu ermöglichen und die Befürchtung zu reduzieren, dass die Politik „die Gesundheit von Schülern und Lehrern riskiert“, wie es der  Landesschülersprecher von Bayern formuliert, wäre zu überlegen, ob eine Klassenelternschaft nicht gemeinsam für ein coronageeignetes Luftreinigungsgerät sammelt, das dann auch in der nächsten Jahrgangsstufe in der Klasse weiter genutzt werden kann. Einige Kultusministerien unterstützen Schulträger bereits mit Millionen Euro beim Einsatz infektionsschutzgerechter Luftreiniger. Doch nicht für alle Klassen wird das Geld reichen. Privatinitiativen der Elternschaft könnten nicht nur in Schulen helfen, sondern auch in Kindergärten, wo engagierte Betreuer ohne Coronaschutz sich um die Kinder kümmern, weil eine Maskenpflicht für Erzieher oft nicht praktikabel ist.

„Vun nix kummt nix“, lautet ein plattdeutsches Sprichwort –
„Auf geht‘s, pack mas“ sagt man in Bayern.

Ihr Team von Verantwortung für die Familie e.V.
http://www.vfa-ev.de

Zu Mediensucht, Cybermobbing etc. finden Sie weitere Hinweise hier.

Flyer
Unsere  Info-Flyer „Risiko Kinderkrippe“ und „Die Familie ist unaufgebbar“ können weiterhin kostenfrei in der von Ihnen gewünschten Anzahl zur Weitergabe und Information angefordert werden.

Unsere Buchempfehlung zur liebevollen Führungsrolle in der Familie:
Jesper Juul. Leitwölfe sein: Liebevolle Führung in der Familie

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